No Man's Land
Preis CHF 27.00 Sprachen OuM | D Untertitel d Tags Roadmovies, Komödie, Drama, Spannung, Unterhaltung
Bosnien 1993. Irgendwo haben sich die Frontlinien eingegraben, keiner kommt mehr vorwärts. In dieser Situation verliert eine bosnische Patrouille nachts im Nebel die Orientierung und wird am nächsten Morgen von den Serben zusammengeschossen. Nur einem Soldaten gelingt die Flucht in einen aufgegebenen Schützengraben, der zwischen den Linien im titelgebenden Niemandsland liegt. Als die Serben zwei Männer auf Erkundung zu dem Graben schicken, verkompliziert sich die Lage.

Sie legen die scheinbare Leiche eines Bosniers auf eine Sprengmine, die erst losgeht, wenn Kameraden versuchen sollten, sie zu bergen -- was für eine hinterhältige, teuflische Idee! Als Ciki, der überlebende Bosnier, einen der Serben erschossen und den zweiten, Nino, verwundet hat, liefern sich beide einen Kleinkrieg, bis sich plötzlich der vermeintlich tote Bosnier auf der Mine bewegt: Er war nur bewusstlos. Jetzt befinden sich alle in einer schier ausweglosen Lage.

Dieses verdienterweise mit 40 internationalen Preisen ausgezeichnete Erstlingswerk von Danis Tanovic, darunter dem Oscar für den besten fremdsprachigen Film 2002, ist eine der treffendsten Kriegssatiren, die je gedreht wurden. Es führt die ganze Absurdität von kriegerischen Auseinandersetzungen vor Augen, die ab einem bestimmten Punkt zwangsläufig einzusetzen beginnt. So werfen sich Ciki und Nino gegenseitig vor, den Krieg begonnen und die Dörfer des jeweils anderen Volkes zerstört zu haben.

Der Regisseur und Autor bezieht hierbei keine Partei. Es bekommt vielmehr jeder sein Fett weg: Die beiden gegnerischen Parteien, die sich in einen ausweg- und sinnlosen Kleinkrieg um Macht und Rache verrannt haben; die Medien, die das reale Drama wie eine fiktive Krimiserie für das Fernsehpublikum aufbereiten; und vor allem die UNO, deren nutzlose Anwesenheit -- da striktes Einmischungsverbot -- als bloßes Feigenblatt für scheinbares Eingreifen der führenden europäischen Politiker vor der Weltöffentlichkeit herhalten muss. Opfer all dieser Unmoral ist nicht nur die betroffene Zivilbevölkerung, sondern sind auch die Soldaten der UNO-Blauhelme, die den Wahnsinn vor Ort schließlich vertreten müssen.

Trotz seines traurigen Themas ist dieser Film eine Tragikomödie, die den Sinn für das Komische auch in der schlimmsten Situation nicht verliert. Über all die Absurdität möchte man gleichzeitig lachen und weinen, und sich dann die Haare raufen ob der zynischen Gleichgültigkeit der verantwortlichen Politiker. Unbedingt empfehlenswert, denn dies ist eine allgemeingültige Parabel, anwendbar auf viele andere Konflikte weltweit.

Quelle: amazon.de